Tim Huyeng erprobt sich in der Arbeit eines Abgeordneten
Tim Huyeng hatte sich tagelang gefreut. Einmal arbeiten wie ein richtiger Bundestagsabgeordneter. Authentisch. In gleichem Tempo, mit denselben Unwägbarkeiten. Erste Erfahrungen dazu hatte der Gymnasiast der Karthause in Koblenz schon 2010 gemacht. Als Europäer. Ire, um genau zu sein.
Als Abgeordneter des deutschen Parlaments wollte er auch diesmal Akteur sein, diskutieren, politische Realität erproben. Ohne sich festzulegen, natürlich. Deshalb wurde er Mitglied einer Phantasiepartei. Es gab die CVP (Christliche Volkspartei), die APD (Arbeitnehmer-partei Deutschlands), die LRP (Liberale Reformpartei) und die PSG (Partei für Soziale Gerechtigkeit). Wie im richtigen Leben natürlich auch die ÖSP (Ökologisch-Soziale Partei).
Damit alles seine gute Ordnung hat, ernannte man den Bundestagspräsidenten für die Leitung der Plenardebatten und Abstimmungen. Die Fraktionsvorsitzenden, die in ihrer parlamentarischen Gruppe für Konsens sorgen und dafür, dass die Position ihrer Partei im Gesetzgebungsprozess bestmöglich zum Tragen kommt. Vorsitzende nebst Stellvertretern von sechs Ausschüssen, bzw. Arbeitsgruppen zum Beispiel für Arbeit und Soziales, .Bildung und Forschung, Wirtschaft und Technologie, Familie, Jugend, Frauen und Senioren.
Nach ordentlicher Wahl und Konstituierung ging es los. Zur ersten Fraktionssitzung: Wie erarbeitet man schnell und effektiv die persönliche Position. Wer macht was in der Fraktion? Wie laufen die Absprachen zu einer gemeinsamen Position. Wer arbeitet in welchem Ausschuss, bereitet die erste Plenardebatte vor, schreibt die Stellungnahmen und die
Beschlussempfehlung an das Plenum. Wer wird Sprecher? Die Zeit drängt. Schon steht die zweite Fraktionssitzung an. Erarbeitung einer gemeinsamen Position zu den Ergebnissen der Ausschussarbeit und die zweite Plenardebatte. Vorher muss die Entscheidung der Fraktion an die Öffentlichkeit. Noch vor der dritten Lesung des Gesetzes.
Anstrengend war es. Vor allem hatte Tim Huyeng seinen Spaß: „Es ist ein schönes Gefühl, wenn Politiker mal schweigen, wenn man selber redet und die eigenen Vorschläge ernst genommen werden“, berichtet er von seiner Erfahrung unter anderem mit Frank-Walter Steinmeier, Franz Müntefering, Petra Ernstberger und Sebastian Hartmann. „Wir könnten auch den MdBs Paroli bieten“, zeigte Huyeng sich sicher und lobte die wissenschaftlichen Mitarbeiter. „Die waren immer top informiert und sehr hilfreich,“ berichtet er von Regina Suchanek und Angela Marquard.
Begeistert hat ihn darüber hinaus das Teilnehmerfeld: „Viele Kulturen, Nationalitäten, Bundesländer und Meinungen trafen hier aufeinander. Die Themen der Arbeitsgruppen waren gut gewählt. Die Reise super organisiert,“ lobt der 18-Jährige und fragt angesichts des immer engen Zeitrahmens: „Simulieren die Organisatoren gerade den Zeitdruck realitätsnah. Dann ist das echt ein harter Job.“
Fest vorgenommen hat er sich, Kontakt zu den vielen Teilnehmern zu halten und hofft auf ein zweites Treffen. Vielleicht im Herbst?“ Andrea Nahles bedeutet das Engagement und Interesse, das für diese Veranstaltungen des Bundestages aus ihrem Wahlkreis kommt, sehr viel. „Zahlreiche junge Menschen melden sich für die Angebote des Deutschen Bundestages. Ich freue mich, dass unser Haus seit vielen Jahren gerade die Jugendarbeit sehr fördert. Das macht Politik und den wirklich meist hektischen Betrieb hautnah erfahrbar.“