IGS oder Realschule plus ? - Die Schulstrukturreform kommt

Veröffentlicht am 13.11.2008 in Bildung
Axel Holland (Bürgermeisterkandidat in Mülheim-Kärlich), den Plaidter Ortsbürgermeister Wilhelm Anheier, die rheinland-pfälzische Bildungsstaatssekretärin Vera Reiß (SPD), den Landtagsabgeordneten Clemens Hoch (SPD) sowie Hans-Peter Ammel (Bürgermeisterkandidat in Mendig).
  • Vera Reiß diskutierte mit Eltern und Schulleitern über die Zukunft der Schulen
Rheinland-Pfalz steht vor einer großen Schulreform. Um die Chancen der Umstellung für die Region zu erläutern, war die Staatssekretärin des rheinland-pfälzischen Bildungsministeriums Vera Reiß auf Einladung des hiesigen SPD-Landtagsabgeordneten Clemens Hoch nach Plaidt gekommen. Motiv für die Reform: „Die Zahl der Schüler insgesamt geht zurück und die Eltern setzen seit Jahren ihre ganz eigenen Vorstellungen um, wenn sie nach der geeigneten Schule für ihre Kinder suchen. Darauf müssen wir reagieren.“

Bis zum Jahr 2030 wird die Zahl der Schüler in Rheinland-Pfalz um insgesamt 23,5 Prozent abnehmen. Und immer weniger Eltern sehen die Hauptschule als die Schule der Wahl für ihre Kinder an. Angesichts dieser Zahlen stehen die Planer vor der Herausforderung, gerade in einem Flächenland wie Rheinland-Pfalz die Bildungsangebote zu sichern, dass Schülerinnen und Schüler kurze Wege zur Schule haben. „Je kürzer die Beine, desto kürzer die Wege“, so lautet das eine Ziel.

„Qualität steht für uns an oberster Stelle“, so Bildungsstaatssekretärin Reiß: „Schule muss sich an den Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler besser orientieren, vor allem aber sollen auch so genannte „Spätstarter“ nicht abgehängt werden.“ Das Schulsystem soll nach oben durchlässiger werden. Die Mittel dafür erläutert der Abgeordnete Clemens Hoch in seiner Begrüßung: „Längeres gemeinsames Lernen, eine bessere Aufstiegsorientierung, mehr individuelle Förderung und Berufsorientierung und eine Einbindung in regionale Strukturen.

„Gleiche Chancen, Klare Wege und gute Perspektiven für alle“, das sind die Leitlinien des Gesetzes, das bis Februar den Landtag Rheinland-Pfalz passieren soll. Und es gibt zwei Modelle, mit denen dieses Ziel erreicht werden soll. Die Realschule plus auf der einen Seite, die bis zur Fachhochschulreife führen kann. Die Integrierte Gesamtschule und das Gymnasium auf der anderen Seite, die mit dem klassischen Abitur abschließen.

Die Realschule plus kann entweder eine kooperative oder eine so genannte integrative sein. Die kooperative arbeitet nach der gemeinsamen Orientierungsstufe bildungsgangbezogen, das heißt, es bleibt faktisch bei einem Realschulbildungsgang und einen Hauptschulbildungsgang, aber unter einem Dach. In der integrativen Schule bleiben die Schülerinnen und Schüler bis zum Schulabschluss in einem Klassenverband, machen hier den Mittleren Schulabschluss oder den Abschluss der Berufsreife (integrative Form). Erfüllt eine Realschule plus unabhängig ob integrative oder kooperative bestimmte Voraussetzungen, kann sie ab 2011 zudem die Fachhochschulreife anbieten.

Vera Reiß (SPD) dazu: „Zusätzlich wird an ausgewählten Realschulen plus das Projekt „Keiner ohne Abschluss“ gestartet. Wir wollen ein spezielles weiteres Schuljahr für Schülerinnen und Schüler, die nach der 9. Klasse den Abschluss der Berufsreife noch nicht erreicht haben. Ziel des Projekts ist, dass die Abbrecherquote deutlich gesenkt wird.“

Um die Lernvoraussetzungen für alle weiter zu verbessern, sei zudem für die neu entstehenden Realschulen plus in der verbindlichen gemeinsamen Orientierungsstufe eine maximale Klassengröße von 25 Schülerinnen und Schülern vorgesehen. Ab dem Schuljahr 2013/2014 solle das für alle gelten. Zum Schuljahr 2009/10 sollen die ersten Realschulen plus an den Start gehen. Die Reform insgesamt werde bis zum Schuljahr 2013/14 abgeschlossen sein. Dann wird es keine eigenständigen Hauptschulen mehr geben.

Im Gegensatz zur IGS bleibt die Realschule plus Regelschule. Das bedeutet für die Eltern, dass die Fahrtkosten ihrer Kinder zur Schule übernommen werden. Neu ist dabei auf ausdrücklichen Wunsch der SPD im rheinland-pfälzischen Landtag, dass das Land für alle Schüler einer Realschule plus die Kosten übernimmt – also auch für die heutigen Realschüler. Dafür, dass derzeit viele Schulträger der IGS den Vorzug geben, hatte Vera Reiß Verständnis. Sie wies aber darauf hin, dass es strenge Voraussetzungen für die Bewilligung eines Antrages gebe. So müsse in der Regel die Schülerzahl im Einzugsgebiet einer neuen IGS eine vierzügige Klassenstärke ermöglichen. Außerdem stelle das Land hohe Anforderungen an die Qualität des Konzeptes in einer Schule. Und vor allem: Die Landkreise seien aufgerufen, einen verbindlichen Schulentwicklungsplan zu erstellen.

Insgesamt, so zeigten sich die Staatssekretärin Reiß und der Abgeordnete Hoch überzeugt, bringe die neue Schulreform vor allem Vorteile: „Wir entkoppeln den Bildungserfolg junger Menschen von ihrer sozialen Herkunft. Wir schaffen bessere, und höhere Qualifikationen für eine spätere Ausbildung, das Studium oder den Beruf. Wir verbinden die demographische Entwicklung mit pädagogischen Zielen und wir treffen heute Entscheidungen mit der Maßgabe, dass sie auch in 15 Jahren noch Bestand haben werden.“

 
 

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