Ruland: Wir verstehen die Aufregung über Westerwelles Hartz-IV-Äußerungen sehr gut, Herr Engels!

Veröffentlicht am 26.02.2010 in Aktuell

Der FDP-Kreisvorsitzende Oliver Engels versteht die Aufregung nicht, die sich nach Guido Westerwelles Hartz-IV-Äußerungen entluden. Zudem ist die Kreis-FDP „einhellig der Meinung, dass Westerwelles Aussagen keinen Anlass zur Kritik bieten“.
Wir können nur sagen: Wir verstehen die Aufregung sehr gut, Herr Engels! Und wir kritisieren dies auch öffentlich:

Herr Westerwelle verhöhnt die Menschen, die (zum großen Teil unverschuldet) in Arbeitslosigkeit geraten sind. Er bringt Menschen mit geringem Einkommen gegen Arbeitslose in Stellung. Ist dies etwa nicht kritikwürdig, Herr Engels? Wie stehen die Liberalen im Kreis zu Guido Westerwelles Zitat, „wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein“?
Dekadenz bestand im spätrömischen Reich darin, dass die Reichen nach ihren Sauf- und Essgelagen sich in Eselsmilch gebadet haben und Kaiser Caligula einen Esel zum Konsul ernannte, während die unteren Schichten immer mehr verarmten. In Mayen-Koblenz gibt es über 6000 Bedarfsgemeinschaften, in denen Menschen leben, die auf Hilfe vom Staat angewiesen sind. Zu behaupten, ihnen sei anstrengungsloser Wohlstand versprochen worden, ist zynisch und fern jeder Realität.
Ist es nicht kritikwürdig, dass Herr Westerwelle das Urteil des höchsten Deutschen Gerichtes, des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) angreift, weil es „sozialistische Züge“ enthalte? Das BVerfG hat entschieden, dass die Hartz-IV-Normen, die die Regelleistung für Erwachsene und Kinder betreffen, gegen das Grundgesetz verstoßen, weil sie den verfassungsrechtlichen Anspruch auf Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums nicht erfüllen. Ob mit oder ohne Richterschelte: Herrn Westerwelle muss als Jurist klar sein, dass die Bundesregierung bei Ihrer Neuregelung bis zum 31. Dezember 2010 an das Urteil aus Karlsruhe gebunden ist. So sind seine Äußerungen reiner Populismus.
Wie steht die MYK-FDP zu Westerwelles Forderung nach einem Lohnabstandsgebot? Zwei Möglichkeiten sind hier nur denkbar: die - wohl verfassungswidrige - Senkung der Regelsätze von Hartz-IV-Empfängern oder die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns.
Für uns ist eine der entscheidenden Folgerungen aus dem Karlsruher Urteil: Vollzeitarbeit muss existenzsichernd sein. Über drei Millionen Menschen in Deutschland gehen mit weniger als sieben Euro in der Stunde nach Hause; dies gilt sowohl für Normalarbeits- als auch für Zeitarbeitsverhältnisse. Der eigentliche Skandal ist doch, dass viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer trotz Vollzeitarbeit ihren Lohn mit staatlicher Hilfe, finanziert vom Steuerzahler, aufstocken müssen.
Wir (junge) Sozialdemokraten fordern einen gesetzlichen Mindestlohn, wie es ihn bereits in über 20 Ländern der Europäischen Union gibt.
Marc Ruland,
für die Jusos Mayen-Koblenz

 
 

Homepage SPD Mayen-Koblenz

News

30.03.2026 18:07 Nina Scheer zur Reaktivierung von Kohlekraftwerken
Eine verlängerte Nutzung von Kohlekraftwerken nach 2038 wäre weder notwendig noch sinnvoll Die Erneuerbaren sind die sauberste, sicherste und kostengünstigste Form der Erzeugung.  Es bedarf allerdings nun auch des entschlossenen Willens der Koalition und der federführenden Bundeswirtschaftsministerin, die gesetzlichen Hebel weiter auf eine systemische Umstellung zur Nutzung Erneuerbarer Energien zu stellen. „Eine verlängerte Nutzung von… Nina Scheer zur Reaktivierung von Kohlekraftwerken weiterlesen

25.03.2026 17:51 Jakob Blankenburg zum Klimaschutzprogramm
67 Maßnahmen, sieben Ministerien, ein Klimaschutzprogramm Die aktuelle Weltlage mit Konflikten, die sich massiv auf unsere Energieversorgung auswirken, zeigt eindeutig: Wir müssen schnell unabhängig von fossilen Energieträgern werden. Das heute von Bundesumweltminister Carsten Schneider vorgelegte Klimaschutzprogramm zeigt einen fairen Weg zur Erreichung der Klimaziele 2030 sowie für mehr Versorgungssicherheit auf. „Dieses Klimaschutzprogramm ist für die… Jakob Blankenburg zum Klimaschutzprogramm weiterlesen

25.03.2026 17:50 Eine notwendige strategische Perspektive für die Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts
Ich begrüße die Impulse von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil ausdrücklich. Deutschland steht an einem Wendepunkt. Wir brauchen ein neues Wirtschaftsmodell: eines, das konsequent auf Innovation setzt, technologische Führerschaft ermöglicht und zugleich dafür sorgt, dass Wohlstand in der Breite der Gesellschaft ankommt. „Innovation und Gerechtigkeit sind die Grundlage für nachhaltiges Wachstum und breiten Wohlstand in Deutschland. Deshalb… Eine notwendige strategische Perspektive für die Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts weiterlesen

11.02.2026 21:41 Dagmar Schmidt zum Behindertengleichstellungsgesetz
Barrierefreiheit nützt uns allen Die Bundesregierung treibt die Barrierefreiheit voran: Das Kabinett hat am Mittwoch eine Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes auf den Weg gebracht. SPD-Fraktionsvizin Dagmar Schmidt spricht von einem wichtigen Schritt. „Der Gesetzentwurf zur Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes bedeutet einen wichtigen Schritt hin zu einer inklusiveren Gesellschaft. Er stärkt die Rechte von Menschen mit Behinderungen und… Dagmar Schmidt zum Behindertengleichstellungsgesetz weiterlesen

11.02.2026 21:39 Stefan Zierke zur Entwicklung im Deutschlandtourismus
Rekord im Tourismus – Strategie, gute Arbeit und verlässliche Politik zahlen sich aus Stefan Zierke, tourismuspolitischer Sprecher: Der Deutschlandtourismus erreicht mit 497,5 Millionen Gästeübernachtungen einen neuen Rekord. Klare Strategie, engagierte Beschäftigte und verlässliche Politik sorgen für Wachstum, stärken die Betriebe und sichern gute Arbeit – für einen wirtschaftlich starken, sozial gerechten und nachhaltigen Tourismus in allen… Stefan Zierke zur Entwicklung im Deutschlandtourismus weiterlesen

Ein Service von websozis.info

Besucher:783577
Heute:344
Online:4