Die Arbeitswelt muss wieder menschlicher werden

Veröffentlicht am 30.11.2012 in Pressemitteilung

 

Betriebs- und Personalräte Anheier und Hoffmann bei Konferenz der SPD-Bundestagsfraktion

Mayen-Koblenz. Zum zweiten Mal in diesem Jahr lud die SPD-Bundestagsfraktion zur Betriebs- und Personalrätekonferenz nach Berlin. Die Resonanz war wie üblich groß. Mehr als 300 Betriebsräte aus der ganzen Bundesrepublik diskutierten und informierten über das hochaktuelle Thema "Humaner Arbeitsplatz – Humane Arbeitswelt".

Mit dabei waren auch Willi Anheier aus Plaidt und Udo Hoffmann aus Kehrig, die die Möglichkeit zur Information, Diskussion und Vernetzung nutzen wollten. Gemeinsam erlebten Anheier und Hoffmann einen spannenden Tag mit hochrangigen Vertretern der SPD und mehrerer Verbände. Nach der Einführung durch den SPD-Fraktionsvorsitzenden Steinmeier erklärte der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel, wie aus Sicht der Gewerkschaft Arbeitnehmer trotz Leistungsdruck und Arbeitsverdichtung länger fit bleiben können. Deutschland brauche endlich eine Anti-Stress-Verordnung, betonte Wetzel. Ähnlich wie bei Vorschriften zum Lärmschutz müssten von Arbeitgebern und Politik belastbare Vorgaben ausgearbeitet werden, um Angestellte besser vor Stress zu schützen.

Bei der anschließenden Diskussion wurde deutlich, wie sehr sich in den letzten Jahren die Arbeitswirklichkeit in den Betrieben verändert hat. Auch Willi Anheier kann aus seinen eigenen Erfahrungen berichten, dass Arbeitsabläufe immer stärker verdichtet werden und Stress und Versagensangst zunehmen.

Was das nach sich zieht, illustrierte eindrücklich der Geschäftsführer der BKK, Heinz Kaltenbach. Die Krankenkassen merken zuerst, wie sehr sich die Krankheitsbilder in den letzten Jahren verschoben haben. Fehltage wegen psychischer Erkrankungen nehmen ständig zu. Im Jahr 2011 lagen psychische Erkrankungen erstmals an dritter Stelle hinter Rückenleiden und Atemwegserkrankungen. Allein auf die Diagnose „Burnout“ gingen 2,7 Millionen Fehltage zurück.

Wie konkrete Anti-Stress-Politik direkt im Betrieb aussehen kann, stellte Josef Bednarski, der Betriebsratsvorsitzende der Deutschen Telekom, vor. So steht z.B. in einer Richtlinie der Telekom, dass niemand, der außerhalb der Dienstzeit E-Mails versendet, eine Antwort außerhalb der Dienstzeit erwarten darf.

An dem Punkt konnten die Betriebsräte natürlich besonders gut mitreden. Diverse andere Ideen zur Anti-Stress-Politik im Betrieb schwirrten durch die Luft. Von Willi Anheier gab es in der Debatte großes Lob für Volkswagen. Dort haben im vergangenen Jahr Betriebsrat und Unternehmen zum Schutz der Tarifmitarbeiter eine Vereinbarung abgeschlossen, nach der für dienstliche Blackberry-Handys am Feierabend automatisch der E-Mail-Eingang abgeschaltet wird.

Noch eine Spur lebhafter wurde die Diskussion nach dem Vortrag des Präsidenten der Deutschen Rentenversicherung Dr. Rische über flexible Übergänge in die Rente. Schließlich geht es hier um ein Kernanliegen der Gewerkschaften, und viele Betriebsräte konnten Beispiele nennen, wo es an altersgerechten Arbeitsplätzen hapert.

Einig waren sich alle Beteiligten, dass hier gesetzliche und tarifliche Bausteine kombiniert werden müssen. Auch die Generalsekretärin der SPD Andrea Nahles, MdB erklärte:

„Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, hier Lösungen zu finden. Wir sind der festen Überzeugung, dass Stress, Burn-Out und Erwerbsunfähigkeit oftmals vermieden werden können. Flexible Übergänge in die Rente sind dabei genauso notwendig wie gesunde Arbeitsplätze. Für die SPD steht außer Frage: Die Arbeitswelt muss wieder menschlicher werden. Arbeitskraft ist nicht nur ein Produktionsfaktor. Es geht um Menschen mit ihren jeweiligen Bedürfnissen. Wir kämpfen dafür, dass diese wieder stärker Berücksichtigung finden.

Die Politik ist gefordert, den gesetzlichen Rahmen zu schaffen. Gewerkschaften und Betriebsräte sind gefragt, wenn es darum geht, durch Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen für humane Arbeitsplätze zu sorgen. Hierfür gilt es, gemeinsam zu streiten.“

Das war auch das Anliegen der Konferenz. Die Vertreter aus Mayen-Koblenz resümierten: „Es macht mir Mut zu sehen, dass ich mit meinen Interessen und Forderungen nicht allein stehe, sondern ein offenes Ohr bei Kollegen und SPD finde. Und Udo Hoffmann ergänzt: „Die Betriebsrätekonferenz gibt uns die Möglichkeit, notwendige Gesetzesänderungen für bessere und gesundere Arbeitsplätze aktiv mit zu gestalten.“

 
 

Homepage SPD Mayen-Koblenz

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