Kurt Beck geht, Malu Dreyer kommt

Veröffentlicht am 14.11.2012 in Aktuell

 

Die rheinland-pfälzische SPD stellt sich nach der Ära Beck neu auf: Kurt Beck geht, Roger Lewentz und Malu Dreyer kommen. Auf einem emotionalen Parteitag verabschiedete die Landes-SPD am Samstag in Mainz ihren langjährigen Vorsitzenden. SPD-Chef Sigmar Gabriel würdigte Beck als einen "ganz Großen der Sozialdemokratie".

Zäsur in Rheinland-Pfalz. Nach 20 Jahren als Chef der Landes-SPD verabschiedet sich mit Kurt Beck einer der dienstältesten und erfahrensten Vorsitzenden eines SPD-Landesverbandes. Ihm folgt Roger Lewentz. Ein Landesparteitag wählte den 49-jährigen Innenminister am Samstag in Mainz mit 95,3 Prozent. Als künftige Ministerpräsidentin nominierte die SPD einstimmig Sozialministerin Malu Dreyer. Die bisherige Arbeitsministerin soll am 16. Januar 2013 zur neuen Regierungschefin gewählt werden.

 

 

Beck: „SPD wird für die Gerechtigkeit auf dieser Welt gebraucht“

Beck bedankte sich in einer bewegenden Abschiedsrede als Parteichef für die jahrzehntelange Unterstützung und rief die SPD zur Geschlossenheit auf. „Ich gehe natürlich mit etwas Wehmut, aber ich gehe auch mit großer Zufriedenheit.“ Zugleich räumte er Fehler beim inzwischen insolventen Nürburgring ein.

Der Pfälzer wurde zum SPD-Ehrenvorsitzenden der Landespartei gewählt. Er hatte seinen Rückzug mit gesundheitlichen Problemen begründet. Die SPD verabschiedete ihren langjährigen Landesvorsitzenden mit fast fünfminütigem Applaus.

Gabriel: Beck ist einer der „ganz Großen der deutschen Sozialdemokratie“

Sigmar Gabriel (r.) überreicht Kurt Beck ein Bild von Willy Brandt

"Ein kleines Geschenk für eine riesige Arbeit." Sigmar Gabriel überreichte Kurt Beck ein Bild von Willy Brandt.

„’Nah bei de Leut’ und ‚nah bei der Partei’, das ist es, was Kurt Beck, was ihn als Landesvorsitzenden der SPD immer ausgemacht hat“, sagte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles zum Abschied des SPD-Politikers. Auch der SPD-Chef Sigmar Gabriel würdigte Beck in Mainz: „Mit Kurt Beck gibt heute einer der ganz Großen der deutschen Sozialdemokratie den Staffelstab weiter.“ Er entschuldigte sich bei Beck für die Querelen, die 2008 zu dessen Rücktritt als SPD-Chef in Berlin führten: „Es war damals auch für die SPD, nicht nur für Kurt Beck, eine Schande, wie er gegangen ist“, so Gabriel.

Der neue SPD-Landesvorsitzende Lewentz räumte Fehler beim Nürburgring ein: „Wir haben bei der Konzeption Fehler gemacht, folgenschwere Fehler.“ Nun gehe es darum, in der Partei und bei den Bürgerinnen und Bürgern Vertrauen zurückzubekommen.

Dreyer: „Das sind große Fußstapfen“

„Das sind große Fußstapfen“, sagte Malu Dreyer mit Blick auf Becks Lebensleistung. Beck habe „diesem Land und dieser Partei viel gegeben und Du hast immer alles gegeben.“ Zugleich rief sie ihre Partei zum Aufbruch auf. Als Ministerpräsidentin wolle sie sich den Problemen um den Nürburgring stellen und auch die Einhaltung der Schuldenbremse angehen. Als Schwerpunkte nannte sie die Alterung der Gesellschaft, mehr Bürgerbeteiligung und eine soziale und ökologische Wirtschaft. In der SPD will sie im Team spielen. „Ich bin offen für kritische Ratschläge.“

Mit Grünen-Landeschef Uwe Diederichs-Seidel sprach erstmals ein Grüner auf einem SPD-Landesparteiatg in Rheinland-Pfalz. Er bezeichnete Rot-Grün als ein Vorbild für die Bundestagswahl. DGB-Landeschef Dietmar Muscheid sagte in Mainz, er freue sich auf die Zusammenarbeit mit Dreyer. Das Kernanliegen sozialer Gerechtigkeit sei bei ihr in besten Händen.

Quelle: www.spd.de

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